Inspirationen und Projekte: Viele Begegnungen mit der Natur, anderen Kulturen, und ihren Menschen haben mich inspiriert. Thailand, Westafrika, Italien, aber auch Island, Sibirien, Polen und besonders Nordfinnland haben ihre Bedeutung besonders in ihren kulturellen Gegensätzen und Eigenheiten eigener Lebensstrukturen und Riten. Ebenso wichtig sind die Wege dorthin. Die Eindrücke und Empfindungen schreibe ich durch das Zeichnen wie in einem Tagebuch auf. Ich arbeite gerne nachts. Mich fasziniert die freie, skizzenhafte und in Schichten angelegte Farbzeichnung der Linien, Formen und Farben, die zu einem Ganzen im verfügbaren Raum entsteht. Als Raum bezeichne ich hier das große, weiße Papier auf der Rolle. Im Prozess entsteht das endliche Format. Die Gesamtwirkung bleibt im eigentlichen Prozess selbst noch lange offen. Einzelne Bilder erscheinen mit manchmal starr und unbeweglich. Eine genauso große Bedeutung hat für mich daher die bewegliche Performancekunst. Offene Prozesskunst, der Dadaismus und experimentelle Klangkunst, welche ich als Form und Gestaltung grundlegender Elemente menschlicher Kultur in ihrer eigenen Entwicklung untersuche, verfolge und neu definiere, haben mich beeindruckt und künstlerisch angetrieben. Ich zeichne daher gern im öffentlichen Raum mit musikalischer Begleitung in Form einer Liveperformance. Ein intensiver Fokus meines Kunststudiums galt dem Aktzeichnen. Dieses Pflichtfach entwickelte sich für mich zu einer bedeutende Leidenschaft zur Erfassung einer flüchtigen Skizze bis hin zur ausgearbeiteten Zeichnung über Stunden, Tagen oder Wochen. Durch die Regelmäßigkeit, organische Körperformen in einem Raum durch verschiedene Techniken und eigenen Interpretationen zu zeichnen, lehrte mich den menschlichen Körper neu zu sehen. Der Körper wurde in Ton modelliert, auf Lein gemalt und überwiegend in Bleistift, Kugelschreiber, Buntstift und Kohle auf Papier gezeichnet. Die Photografie und ihre Wechselwirkung zwischen Subjekt und Objekt haben zu meiner künstlerischen Entwicklung phasenweise beigetragen. Verschiedene Orte, Situationen und Motive werden durch Photographien archiviert und überarbeitet; ausgewählte Abzüge des erfassten Abbildes mit Feder, Nadel und Stift in ihrer ursprünglichen Abbildung der Wirklichkeit entfremdet. Das Photographieren wird ein Mittel um die Vielschichtigkeit innerer und äußerer Eindrücke und Erkenntnisse in meinem Lebensraum zu finden. Momente kann ich so aufbewahren und über einen längeren Zeitraum betrachten und philosophisch ergründen. Das Zeichnen: Ich habe lange ausschließlich im Unterschied zum Malen gezeichnet. Die vorherig entstandenen Malereien wirkten auf mich wie gemalte Zeichnungen. Diesen scheinbaren Widerspruch habe ich überwunden. Durch das Kennen lernen verschiedener Kulturen ist die Farbigkeit in meine Arbeiten gekommen. Beim Zeichnen beginne ich immer mit der Linie ohne bewusstes Ziel. Mit der Linie beginnt der Prozess Gegensätzlichkeiten wie Statik und Dynamik, Spannung und Ruhe, sowie Harmonie und Disharmonie im Spannungsfeld zu erzeugen. Durch den freien, ungezwungenen Prozess, wodurch das Konzept dem Anti-Konzept folgt, werden psychische Automatismen direkt frei – und umgesetzt. Dieser Vorgang ereignet sich aus dem Un- oder Unterbewussten und wird ohne innerlichen Leistungszwang oder Schaffensdruck visualisiert. Daraus entstehen Formen, die sich für mich zu inspirierenden Konstellationen oft intuitiv entwickeln. So wird über den unbestimmten Moment, dem Un- oder Unterbewussten, ein oft überraschendes Gefüge aus Organischem und Anorganischem. Die sich entwickelnden Ideen können sowohl persönliche als auch gesellschaftspolitische Hintergründe haben. Die für mich eher expressiv empfundene Arbeitsweise benötigt das große Format als Freiraum der Künste. Ich brauche viel Platz für meine Ideen. Performance: Für mich impliziert dieser Begriff einen offenen künstlerischen Charakter, der in einem unbestimmten Prozess stattfindet. In Form eines performativen Projektes treffen eine finnische Künstlerin und ich uns zu einer gemeinsamen Interaktion in den Niederlanden, in Deutschland oder Finnland. Zur Lifemusik oder auch in der Stille der Natur zeichnen wir wandgroß aufeinander zu, tauschen immer wieder die Plätze und erfinden die Symbiose einer unausgesprochenen gemeinsamen Idee. Diese Form der Kommunikation lebt nonverbal. Es gibt inhaltlich oder zeichentechnisch keine Tabus und keine Grenzen. In einem anderen Gruppenprojekt verkörpern mehrere Künstler ein morbides Szenario im Stelzenlauf. Die verlängerten Beine verfremden den gewohnten körpereigenen Bewegungsablauf und ergeben durch die neue Weise des Ausdrucks eine eigene Einheit. Inhaltlich wird kein Konzept erarbeitet, da die Stelzenläufer ihren eigenen Charakter interaktiv improvisieren und miteinander, durch den individuellen Ausdruck der Bewegungen, kommunizieren. Nachdem der Charakter durch intuitive Bewegungsabläufe gefunden wird, beginnt erst die Anfertigung der Kostüme in der Schneiderwerkstatt. Verlängerte Hosen und Röcke, sowie Flügel und Schminke ergeben ein ästhetisches Gesamtbild der Performance. Dieser Ablauf kann sowohl draußen im öffentlichen oder begrenzten Raum dargestellt werden. Als Projekt gebe ich Bäumen in der freien Natur plastische, reale und persönliche Gesichter. Diese Baumgesichter werden aus Holzspäne und Leim vor Ort anmodelliert und farblich angeglichen. Manchmal ist es ein einzelner Baum oder es sind die Bäume am Weg durch einen Pinienwald auf Elba. Seit einigen Jahren zeichne ich spontan, großformatig, zu Musik- und Klanginstallationen, wobei sich Musiker und Zeichnerin im Tempo, der Atmosphäre im Raum und der Motivbildung zusammenarbeiten. Einfach montierte Kurzfilme inspirieren mich, um intensiv an eigenen Klangstücken zu arbeiten. Hierbei verwende ich ein Tonschnittprogramm, das mehrere Tonspuren übereinander aufzeichnet und untermalt als improvisierter Klangteppich meine Filme. Die Filmsequenzen zeigen eine eher triste Welt auf, die ich in meiner nahen Umgebung häufig so wahrnehme und als einsam und kühl, faszinierend annehme und mich aus ihrer Wirkung inspiriere und ideenreich schöpfe. Meine Vision : Durch jede Reise zu einem anderen Ort und ihren Menschen hat sich meine künstlerische Richtung verändert und erweitert. Ich überwinde innere Stagnation durch äußere Reize und neue Räume. Ich lebe nicht von der Kunst, ich lebe durch sie. Ich fühle mich im Sinne des Klischees, von der brotlosen Kunst nicht leben zu können, verstanden. Die sowohl schmerzlichere als auch glücklichere Konsequenz ist die Idee einer Vision nach einem Prozess orientierten Weg, den ich als mein Ziel definiere. Während die Vorstellung mit Kunst zu leben bildlich erscheint, merke ich, das diese Vorstellung im Ist-Moment real ist und ich bereits seit vielen Jahren mit ihr lebe. Ein unbedingtes Verlangen zum künstlerischen Ausdruck lässt sich nun zunehmend formulieren, indem ich nach Anlehnung und Austausch suche. Eine Sehnsucht nach autonomer Weiterbildung steht nicht still. Ich brauche philosophische Anregungen durch andere Menschen und andere Umgebungen. Hierbei steht die Suche nach mehr als die alleinige Suche in der Kunst einerseits im Vordergrund, andererseits im Hintergrund. Hauptsachen werden zu Nebensachen und umgekehrt.
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